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IGP Dialog: Selbstversorgung verlangt umfassenden Dialog

Brauchen faktenbasierte Diskussion für eine nachhaltige und produzierende Landwirtschaft

PressebilderDer fünfte IGP Dialog der IndustrieGruppe Pflanzenschutz (IGP) stand im Zeichen der Selbstversorgung mit Lebensmitteln aus der heimischen Landwirtschaft. Zum Thema „Selbstversorgung oder Selbstbetrug: Lügen wir uns selbst in die Tasche?“ erörterte das hochkarätig besetzte Podium ganzheitliche Agrarmodelle sowie Möglichkeiten der Umsetzung einer möglichst hohen Selbstversorgung mit heimischen Lebensmitteln. Überein kamen die Diskutanten dabei, dass eine 100-prozentige Selbstversorgung nur bei Kulturen Sinn macht, die in Österreich für den Anbau bestimmt sind. Einig war sich das Podium auch in der Feststellung, dass die landwirtschaftliche Seite die Kommunikationsbemühungen verstärken, den gemeinsamen Dialog fördern und zu einer Versachlichung beitragen sollte, um emotionalen Kampagnen von Umweltschutzorganisationen zu begegnen. Nach einer Begrüßung durch IGP Obmann Christian Stockmar und einer einführenden Keynote von Garlich von Essen von der Europäischen Saatgut-Vereinigung (ESA) diskutierten Josef Plank (Generalsekretär im Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus), Andreas Steidl (stv. Geschäftsführer von Ja! Natürlich) und Ernst Karpfinger (Präsident der Vereinigung „Die Rübenbauern“). Durch die Veranstaltung in der Wiener Labstelle führte Martina Salomon.

Stockmar fordert ganzheitlichen Dialog zur Landwirtschaft
Im Regierungsprogramm bekennt sich die Regierung zu einer 100-prozentigen Selbstversorgung aus der heimischen Landwirtschaft. „Die Frage ist aber einerseits, ob das möglich ist, und andererseits, ob es nachhaltig und wünschenswert ist. Oder wäre es nicht vielmehr besser, die produzierende Landwirtschaft in Österreich und in Europa nachhaltig effizient und leistungsfähig zu halten und dazu ein neues Agrarmodell zu erörtern. Denn die österreichische Ratspräsidentschaft wäre dafür die richtige Plattform“, so Christian Stockmar. Er appelliert dazu an alle Stakeholder und Betroffenen, sich an einem sachlichen und wissenschaftsbasierten Dialog zu beteiligen, um ökonomische, ökologische und soziale Kategorien festzulegen. „Das ist auch im Sinne der Konsumenten, die großes Vertrauen in die heimische Landwirtschaft, ihre Produkte und ihren Umgang mit Pflanzenschutzmitteln haben. Wir sollten weg von den vielen Einzeldiskussionen und über das große Ganze diskutieren.“

von Essen: Gemeinschaftliche Problemlösung besser als Autarkie
Dem pflichtet auch Garlich von Essen bei: „Die Gegenseite der Landwirtschaft hat große Probleme mit breiten und ehrlichen Diskussionen, bei denen faktenbasiert argumentiert wird. Da bleiben sie meist Antworten schuldig.“ Aus seiner Sicht ist das Thema einer möglichst hohen Selbstversorgung aus einem nationalstaatlichen Standpunkt nachvollziehbar. „Aber bereits jetzt werden hohe und immer höhere Anforderungen an einen Wirkstoff gesetzt. Allen Beteiligten sollte klar sein, wenn aus der Pipeline nichts mehr rauskommt, dann hat man irgendwann keine Wirkstoffe zum Schutz der Ernte mehr. Und nur weil die EU Wirkstoffe verbietet, heißt das nicht, dass das andere Länder auch tun. Die Wettbewerbsfähigkeit wird da sicher irgendwann ein Thema.“ Die Frage sei, wie wir die Landwirtschaft besser und nachhaltiger machen, aber das „geht sicher nicht mit der Diskreditierung von Studien und Behörden, sondern nur wissenschafts-basiert und mit einer breiten Diskussion“, so von Essen.

Plank: Brauchen kompakten Dialog aller Betroffenen
Josef Plank begründet den Bekenntnisvorrang österreichischer Lebensmittel vor allem mit dem Wunsch der Konsumenten. Als Beispiel nennt er Käfigeier: „Beim Verbot von Käfigeiern ist Österreich begeistert mitgegangen. Hier gibt es einen Mehrwert, den der Konsument will und der mit heimischen Eiern sichergestellt wird. Die österreichische Landwirtschaft produziert kleinteilig und damit auch teuer. Das ist nur dann erfolgreich, wenn wir diesen Mehrwert transportieren.“ Dazu sei es nötig, stärker in die Kommunikation einzusteigen: „Wir brauchen einen kompakten Dialog aller Betroffenen. Und für die künftigen Herausforderungen brauchen wir eine umfassende Forschung, denn mit Kommando zurück wird das nicht funktionieren“, so Plank. Das Bundesministerium plant dazu auch einen umfassenden Dialog im Zuge der Taskforce zur zukünftigen Landwirtschaft.

Karpfinger: Mit Rübe fehlt Kultur in Fruchtfolge
Ernst Karpfinger nennt als Beispiel für künftige Probleme in der Selbstversorgung die Zuckerrübe: „Wir haben dieses Jahr bereits ein Viertel der Fläche wegen massivem Schädlingsbefall verloren. Viele Landwirte gehen das Risiko eines Verlusts ihrer Ernte daher nächstes Jahr sicher nicht mehr ein.“ Mit der Rübe falle damit eine Kultur in der Fruchtfolge aus, was in der Folge weitere Probleme verursachen kann. „Da sieht man schon, dass zu viele mitreden, die sich in der Landwirtschaft nicht auskennen. Aber es ergibt sich jetzt ein neues Bild, denn genau jene erfahren jetzt Gegenwind. NGOs verkaufen Angst, wollen aber nicht in die Verantwortung genommen werden, wenn die Zahl der Arbeitsplätze in der Landwirtschaft sinkt. Es ist Zeit für ein Umdenken. Für die Rübe kommt das zu spät, jetzt gilt es, die anderen Kulturen zu retten.“

Steidl: Nur heimisch ist nicht immer ökologisch sinnvoller
Andreas Steidl erkennt in Österreichs kleinteiliger Landwirtschaft viele Vorteile: „Österreich hat eine große Vielfalt und kleine Felder, die das Risiko des Eintretens von Schadfaktoren vermindern. Andere Länder haben hier ein höheres Risiko.“ Die Herausforderung des Lebensmitteleinzelhandels sei, unterschiedliche Kundengruppen und deren Anforderungen zufriedenzustellen, so Steidl. „Viele Konsumenten wollen auch im Winter Tomaten. Diese im Glashaus zu produzieren ist nicht sinnvoll, da ist ein Import aus Italien besser, denn ein Glashaus verbraucht durch Licht und Beheizung sehr viel Energie. Da hat die importierte Ware einen deutlich besseren ökologischen Fußabdruck. Das müssen wir den Konsumenten und unseren Kunden entsprechend kommunizieren.“

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